WM 1994 in den USA

Die 15. Fußball-Weltmeisterschaft fand im Jahr 1994 in den USA statt. Die Vereinigten Staaten waren erstmals Austragungsort nach über 60 Jahren WM-Geschichte. Ihren Zuschlag bekamen die USA bereits 1988. Dort setzten sie sich bei der Vergabeprozedur u.a. gegen Marokko durch. Somit musste Afrika immer noch auf die erste WM-Ausrichtung auf dem afrikanischen Kontinent warten. Brasilien wurde Weltmeister 1994. Für Deutschland war als Titelverteidiger von 1990 im Viertelfinale Schluß.

Der Brasilianische Stürmer Romario küsst die FIFA World Cup trophy, an der Seite Ronaldao (L) und Kapitän Dunga, am 17. Juli 1994 im Rose Bowl in Pasadena. AFP PHOTO/DANIEL GARCIA / AFP PHOTO / DANIEL GARCIA

Der Brasilianische Stürmer Romario küsst die FIFA World Cup trophy, an der Seite Ronaldao (L) und Kapitän Dunga, am 17. Juli 1994 im Rose Bowl in Pasadena. AFP PHOTO/DANIEL GARCIA / AFP PHOTO / DANIEL GARCIA

Brasilien wird Weltmeister 1994

In neun verschiedenen US-amerikanischen Städten wurde in genauso vielen Stadien die Weltmeisterschaft 1994 ausgetragen. Besonderheit war, dass das Pontiac Silverdome Stadium in Chigaco voll überdacht war. Eine Neuigkeit bei einer Fußball-WM.

24 Teilnehmer haben ihr Ticket für die Weltmeisterschaft 1994 in der jeweiligen kontinentalen Qualifikationsrunde gelöst. Die Gastgeber USA und die deutsche Elf als Weltmeister waren bereits automatisch qualifiziert. Erstmals kamen drei Teams der 24 Teilnehmer vom afrikanischen Kontinent. Wie immer stellten die Europäer die Mehrzahl der Teams. Aber auch amerikanische und asiatische Teams waren bei der fünfzehnten Austragung dabei.

Die WM Teilnehmer 1994

Kolumbien Kamerun Deutschland
Rumänien SchwedenBolivien
USABrasilien Spanien
SchweizRussland Südkorea
ArgentinienItalien Belgien
Griechenland Irland Marokko
Nigeria Norwegen Niederlande
Bulgarien MexikoSaudi-Arabien

Auch die WM 1994 in den USA schrieb wie so oft viele Geschichten. Einige Anekdoten werden noch heute gerne erzählt und gehören zu den schönen Geschichten des Fußballs. Aber auch traurige Momente hatte die Weltmeisterschaft 1994. Nachfolgend sollen die bedeutendsten Geschichten, die bei vielen Fußballfans hängen geblieben sind, erzählt werden.

Negative Folgen der unschönsten Art zog das Vorrundenaus der kolumbianischen Elf nach sich. Der kolumbianische Nationalspieler Andrés Escobar erzielte im Spiel gegen die USA ein Eigentor. Infolgedessen verloren die Kolumbianer mit 2:1 und mussten den Heimweg nach Südamerika antreten. Dort kam es dann in Medellin zu einem Unglücksfall. In Medellin sorgte zu dieser Zeit das berüchtigte Medellin-Kartell für Angst und Schrecken. Das Kartell hat Gerüchten zufolge viel Geld auf ein Weiterkommen Kolumbiens gesetzt. In Medellin wurde auf offener Straße der Unglücksrabe Escobar, der das Eigentor schoss, mit einer großen Anzahl an Schüssen hingerichtet. Das WM-Aus Kolumbiens zog somit sogar ein Todesopfer nach sich.

Darüber hinaus stürzte ein Star der vergangenen Jahre tief. Die Hand Gottes, der argentinische Topstar Diego Maradona, wurde positiv auf Drogen getestet und durfte anschließend kein WM-Spiel mehr bestreiten. Ein tiefer Fall für den argentinischen Ausnahmekönner.

Eine schöne Geschichte schreibt ein kamerunischer Nationalspieler. Mit 42 Jahren war Roger Milla der älteste Torschütze aller Zeiten. Bis heute bleibt diese Rekordmarke unerreicht.

Das Fußball WM Finale 1994

DatumOrtTeam 1Team2Ergebnis
17.07.1994Los Angeles (Pasadena)  Brasilien   Italien i.E. 3:2(0:0)
Nach Elfmeterschießen 3:2

Weltmeister wurde übrigens erneut Brasilien. Der heutige Rekordweltmeister triumphierte nach 24 Jahren Durststrecke erneut bei einer Fußball-Weltmeisterschaft. Nach dem Finalsieg widmete die Selecao ihren Titel dem kurz vorher ums Leben gekommenen Formel 1 Piloten Ayrton Senna, einem brasilianischen Volkshelden. Die brasilianischen Stars rund um Romario kamen souverän in das Finale der WM 1994. Dort siegten die Brasilianer dann gegen Italien im Elfmeterschießen.

Deutschland bei der WM 1994

Nach dem Triumph bei der Weltmeisterschaft 1990 gehörte die deutsche Nationalmannschaft auch vier Jahre später zu den großen Favoriten auf den Turniersieg. Mittlerweile wurde die deutsche Elf von Berti Vogts gecoacht, der den Kaiser Franz Beckenbauer als deutschen Fußball-Nationaltrainer beerbte.

WM 1994 Länderspiele
PhaseTeam1Team 2Ergebnis
Vorrunde17. Jun 94Deutschland Bolivien1:0 (0:0)
Vorrunde21. Jun 94Deutschland Spanien 1:1 (0:1)
Vorrunde27. Jun 94Deutschland Südkorea 3:2 (3:0)
Achtelfinale02. Jul 94Deutschland Belgien 3:2 (3:1)
Viertelfinale10. Jul 94BulgarienDeutschland 2:1 (0:0)
Der Bulgare Iordan Letchkov feiert sein Tor im Viertelfinal zum 3:2 - Deutschland ist raus! (zu sehen:, from Guido Buchwald und Lothar Matthaeus) AFP PHOTO/JEAN-LOUP GAUTREAU

Der Bulgare Iordan Letchkov feiert sein Tor im Viertelfinal zum 3:2 – Deutschland ist raus! (zu sehen: Guido Buchwald und Lothar Matthäus) AFP PHOTO/JEAN-LOUP GAUTREAU

Allerdings war das Auftreten der deutschen Nationalmannschaft bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft eher von Skandalen geprägt als von Erfolg. Schon in der Vorrunde mussten die Deutschen gegen so manchen Underdog mühsam kämpfen. Gegen Bolivien gab es ein knappes 0:0 und gegen Südkorea ein knappes 3:2. Das Unentschieden gegen Spanien reichte den deutschen Kicker für ein sicheres Weiterkommen. Das mühsame 3:2 gegen Südkorea blieb vor allem aus einem anderen Grund unvergessen. Der deutsche Mittelfeldspieler Stefan Effenberg wurde im Laufe des Spiels ausgewechselt. Von unzufriedenen deutschen Fans provoziert ließ sich Effenberg dazu hinreißen, den Fans den Mittelfinger zu zeigen. Die Stinkefinger-Affäre hatte für ihn dramatische Folgen: der Bundestrainer Berti Vogts schickte Effenberg anschließend auf die Heimreise zurück nach Europa.

Allerdings dauerte es nicht allzu lange, bis die deutsche Mannschaft ihrem Mittelfeldmotor folgte. Im Viertelfinale verlor die deutsche Nationalelf gegen Bulgarien mit 1:2 und verpasste somit deutlich die angestrebte Titelverteidigung. Anschließend trat der Torwart Bodo Illgner umgehend zurück und auch ansonsten hagelte es deutliche Kritik gegenüber der deutschen Nationalelf. Gerade aufgrund des gestiegenen Alters der Mannschaft sparten die einheimischen Medien nicht mit Kritik. Die DFB-Funktionäre mussten sich den Vorwurf gefallen lassen, zu lange auf die älteren verdienten Stars gesetzt zu haben.

Vier Jahre zuvor sagte Franz Beckenbauer noch voraus, dass als Folge der Wiedervereinigung die deutsche Nationalmannschaft auf Jahre hinaus den Weltfußball dominieren werde. 1990 hätte der Kaiser bestimmt nicht gedacht, wie er sich irrt. Die erste WM danach zeigt, dass an eine deutsche Dominanz aufgrund der Wiedervereinigung nicht im Entferntesten zu denken ist.

Der DFB Kader 1994 - alle Nationalspieler 1994

RNNamePos.VereinGeburtstag
22Oliver KahnTWKarlsruhe15.06.1969
1Bodo IllgnerTW1.FC Köln07.04.1967
12Andreas KöpkeTWNürnberg12.03.1962
14Thomas BertholdABVfB Stuttgart12.11.1964
4Jürgen KohlerABJuventus06.10.1965
6Guido BuchwaldABVfB Stuttgart24.01.1961
10Lothar MatthäusABFC Bayern21.03.1961
3Andreas BrehmeABK'lautern09.11.1960
5Thomas HelmerABFC Bayern21.04.1965
7Andreas MöllerMFJuventus02.09.1967
16Matthias SammerMFDortmund05.09.1967
17Martin WagnerMFK'lautern24.02.1968
15Maurizio GaudinoMFFrankfurt12.12.1966
20Stefan EffenbergMFAC Florenz02.08.1968
2Thomas StrunzMFVfB Stuttgart25.04.1968
8Thomas HäßlerMFAS Rom30.05.1966
21Mario BaslerMFSV Werder18.12.1968
11Stefan KuntzSTK'lautern30.10.1962
19Ulf KirstenSTLeverkusen04.12.1965
9Karl-Heinz RiedleSTDortmund16.09.1965
13Rudi VöllerSTMarseille13.04.1960
18Jürgen KlinsmannSTAS Monaco30.07.1964
Berti VogtsTR30.12.1946
Rainer BonhofCO-TR29.03.1952
Sepp MaierTW-TR28.02.1944